Maria Schreiber, Schelklingen, KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung)

 Quelle:  Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung, 27.04.2019

1. Sie sind voll berufstätig und im Ehrenamt seit 20 Jahren Versichertenberaterin für die Deutsche Rentenversicherung. Was motiviert Sie zu dieser Tätigkeit?

Schlicht und einfach, es macht mir Freude, anderen Menschen mit meinen Fähigkeiten zur Seite stehen zu können. Mir gefällt der Kontakt zu ganz verschiedenen Menschen.

2. Wie machen Sie das, was ist Ihre Aufgabe?

Zunächst geht es einfach darum, behilflich zu sein beim Ausfüllen des Rentenantrags.
Darüber hinaus geht es darum zu informieren. Zu mir kommen auch jüngere Menschen um die 40. Hier geht es oft um die Anrechnung von Erziehungszeiten. Viele wissen noch nicht, dass dies beantragt werden muss.

3. Sie sind eine von bundesweit 2600 ehrenamtlichen VersichertenberaterInnen, warum braucht es dieses Ehrenamt?

Ganz einfach wegen der größeren Nähe zu den Menschen. Zu mir kommen Kolleginnen, Bekannte, und Menschen, die nach wie vor eine Scheu haben vor Ämtern. Und wenn es notwendig ist, mache ich auch Hausbesuche, ich begleite derzeit einen kranken Familienvater, der nicht mehr aus dem Haus kann.
Im Unterschied zu den angestellten professionellen Beratern kann und will ich es mir leisten am ganzen Menschen interessiert zu sein.
Es kommt auch  immer öfter vor, dass die Deutsche Rentenversicherung an mich verweist, weil bei der Beratungsstelle lange Wartezeiten sind.  Eine andere Beratungsstelle verweist ganz gern mal an mich wegen meines mittlerweile erworbenen Fachwissens.

 

4. Gibt es besondere Problemlagen, mit denen Sie konfrontiert sind?

Nun eine ist immer wieder das Zusammenstellen und Sortieren der nötigen Unterlagen.  Eine andere , die Situation von Menschen in niederen Lohngruppen. Die beste Vorsorge für die Rente wären ausreichend gute Löhne. Ein weiterer Punkt sind die geringfügig Beschäftigten, oft höre ich:“ wenn ich das früher gewusst hätte…“
Insgesamt beschäftigt mich die Zukunft der Rentenversicherung. In der KAB diskutieren wir gerade aktuell wieder das sogenannte Rentenmodell der Katholischen Verbände, hier geht es um eine alternative Finanzierung und eine Sockelrente. Wir konnten das Modell im Februar auch bei der Rentenkommission vorstellen.

5. Sie sind von der Arbeitsgemeinschaft christlicher ArbeitnehmerInnen für die Tätigkeit als Versichertenberaterin nominiert worden. Dürfen ausschließlich Christen oder gar Katholiken zu Ihnen kommen?

Nein natürlich nicht. Die Versichertenberatung hat nichts mit der Konfession zu tun. Es ist eben so, dass, geschichtlich gewachsen, neben den Gewerkschaften auch christliche Arbeitnehmerverbände an der sozialen Selbstverwaltung beteiligt sind. Die soziale Realität  als Arbeitnehmer ist ausschlaggebend.
Für mich persönlich ist mein Ehrenamt tätige Nächstenliebe , sei der Ratsuchende  nun Christ, Muslim, oder Atheist .
Ich bin dankbar, meine Fähigkeiten für die Gemeinschaft auf diese Weise einbringen zu können. Und ich bekomme sehr viel Dank zurück, das ist Lebensqualität. Sie können es auch einfach bürgerschaftliches Engagement nennen.

Quelle: Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung, 27.04.2019


Interview Andreas Schäfer

Andreas Schäfer arbeitet als Mesner am Münster "Unserer Lieben Frau" zu Zwiefalten und als Fachkraft für Arbeitssicherheit im Außendienst für die Diözese. Er ist Vorsitzender der Mitarbeitervertretung der Seelsorgeeinheit Zwiefalter Alb, Diözesanleiter des Mesnerverbandes und Kolpingmitglied bei der KF Zwiefalten. Bei der Sozialwahl 2017 hat er auf der Liste der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen (ACA) kandidiert.

1.    In welchem Selbstverwaltungsgremium arbeitest du mit?

Ich bin AOK Bezirksrat in der Bezirksdirektion Neckar-Alb der AOK Baden-Württemberg. Das ist ein Gremium mit je 15 Arbeitgeber- und 15 Arbeitnehmervertretern. Darunter sind viele Betriebs- und Personalräte.

2.    Was machst du dort genau?

Der AOK-Bezirksrat gestaltet wichtige geschäftspolitische Entscheidungen der AOK vor Ort mit. Ich bin direkter Ansprechpartner für die Versicherten und Arbeitgeber vor Ort. Die Anliegen werden bei der Geschäftsführung der Bezirksdirektion oder auch auf die höchste Ebene der Selbstverwaltung, in den Verwaltungsrat der AOK Baden-Württemberg eingebracht. Themen sind beispielsweise, dass die Beitragsgelder sinnvoll eingesetzt werden (z.B. für Rückenstudio, Präventivangebote, Rabattverträge, Hausarztprogramm, Baumaßnahmen). Oder dass die Finanzmittel sparsam verwaltet werden. Der AOK-Bezirksrat hat ein Vorschlagsrecht bei der Wahl der Geschäftsführung und gestaltet aktiv Standortpolitik für Kundencenter mit.
Aus dem Bezirksrat werden Widerspruchsauschüsse gewählt. Diese entscheiden über Widersprüche von AOK-Mitgliedern. Ich war bisher in einem der Widerspruchsauschüsse stellvertretendes Mitglied.

3.    Wie viel Zeit wendest du dafür auf?

Der Bezirksrat trifft sich jährlich dreimal in Tübingen, der Widerspruchsauschuss dreimal jährlich in Reutlingen. Dazu kommen etwa ein bis zwei Fortbildungen in Stuttgart oder in der Region Neckar-Alb.

4.    Was war deine Motivation dich wählen zu lassen?

Ich fing im Bezirksrat vor über 18 Jahren bei der damaligen Bezirksdirektion Bad Urach-Münsingen an. Damals war die Entscheidungsmöglichkeit des Gremiums noch bedeutender und man konnte die Regionale AOK im Sinne der Versicherten noch stärker mitgestalten. Die globale Welt, verlangt jedoch auch im Bereich der Gesundheitskassen eine Fortentwicklung. Dies war auch für mich ein Lernprozess, ich war alles andere als begeistert, als die Neuordnung der Bezirksdirektionen erfolgte. Jedoch war es richtig, Entscheidungskompetenzen an den Verwaltungsrat abzugeben und die regionale Ausgestaltung vor Ort im Bereich der Bezirksdirektion im Rahmen der Möglichkeiten mitzuentscheiden.  

5.    Was hast du persönlich davon?

Einen tiefen Einblick in das Gesundheitswesen. Leider ist festzustellen, dass dieser Bereich ein Spielball der Politik ist. Jede Bundestagswahl bringt Veränderungen. Für die Gesundheitskassen bedeutet das, sich immer wieder auf neue Rahmenbedingungen einzustellen, um sich im Markt wirtschaftlich erfolgreich und kundenorientiert zu behaupten. Leider fehlt der Politik die Kraft, endlich den Schritt von der Zwei-Klassen-Gesundheitspolitik zur Bürgerversicherung zu gehen.
Wir hören auch Fachvorträge von Ärzten oder Therapeuten zu Gesundheitsthemen und Behandlungsformen und besuchen Einrichtungen vor Ort.

6.    Konntest du mit deinem Engagement schon konkret einem Mitmenschen helfen?

Ja, es wurden Einzelfälle im Widerspruchsausschuss beraten. Dies kann im  Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ganz konkret den Betroffenen helfen.