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Tiefer Einblick ins Gesundheitswesen

Mitglieder aus den Mitgliedsverbänden haben bei der Sozialwahl 2017 kandidiert.

Jetzt nach der Wahl arbeiten sie  in den Selbstverwaltungsgremien der Rentenversicherung oder der AOK mit. Dort vertreten sie die Interessen der Arbeitnehmer und bringen eine christliche Perspektive in die Sozialversicherungen ein.

Maria Schreiber, Schelklingen, KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung)

 Quelle:  Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung, 27.04.2019

1. Sie sind voll berufstätig und im Ehrenamt seit 20 Jahren Versichertenberaterin für die Deutsche Rentenversicherung. Was motiviert Sie zu dieser Tätigkeit?

Schlicht und einfach, es macht mir Freude, anderen Menschen mit meinen Fähigkeiten zur Seite stehen zu können. Mir gefällt der Kontakt zu ganz verschiedenen Menschen.

2. Wie machen Sie das, was ist Ihre Aufgabe?

Zunächst geht es einfach darum, behilflich zu sein beim Ausfüllen des Rentenantrags.
Darüber hinaus geht es darum zu informieren. Zu mir kommen auch jüngere Menschen um die 40. Hier geht es oft um die Anrechnung von Erziehungszeiten. Viele wissen noch nicht, dass dies beantragt werden muss.

3. Sie sind eine von bundesweit 2600 ehrenamtlichen VersichertenberaterInnen, warum braucht es dieses Ehrenamt?

Ganz einfach wegen der größeren Nähe zu den Menschen. Zu mir kommen Kolleginnen, Bekannte, und Menschen, die nach wie vor eine Scheu haben vor Ämtern. Und wenn es notwendig ist, mache ich auch Hausbesuche, ich begleite derzeit einen kranken Familienvater, der nicht mehr aus dem Haus kann.
Im Unterschied zu den angestellten professionellen Beratern kann und will ich es mir leisten am ganzen Menschen interessiert zu sein.
Es kommt auch  immer öfter vor, dass die Deutsche Rentenversicherung an mich verweist, weil bei der Beratungsstelle lange Wartezeiten sind.  Eine andere Beratungsstelle verweist ganz gern mal an mich wegen meines mittlerweile erworbenen Fachwissens.

 

4. Gibt es besondere Problemlagen, mit denen Sie konfrontiert sind?

Nun eine ist immer wieder das Zusammenstellen und Sortieren der nötigen Unterlagen.  Eine andere , die Situation von Menschen in niederen Lohngruppen. Die beste Vorsorge für die Rente wären ausreichend gute Löhne. Ein weiterer Punkt sind die geringfügig Beschäftigten, oft höre ich:“ wenn ich das früher gewusst hätte…“
Insgesamt beschäftigt mich die Zukunft der Rentenversicherung. In der KAB diskutieren wir gerade aktuell wieder das sogenannte Rentenmodell der Katholischen Verbände, hier geht es um eine alternative Finanzierung und eine Sockelrente. Wir konnten das Modell im Februar auch bei der Rentenkommission vorstellen.

5. Sie sind von der Arbeitsgemeinschaft christlicher ArbeitnehmerInnen für die Tätigkeit als Versichertenberaterin nominiert worden. Dürfen ausschließlich Christen oder gar Katholiken zu Ihnen kommen?

Nein natürlich nicht. Die Versichertenberatung hat nichts mit der Konfession zu tun. Es ist eben so, dass, geschichtlich gewachsen, neben den Gewerkschaften auch christliche Arbeitnehmerverbände an der sozialen Selbstverwaltung beteiligt sind. Die soziale Realität  als Arbeitnehmer ist ausschlaggebend.
Für mich persönlich ist mein Ehrenamt tätige Nächstenliebe , sei der Ratsuchende  nun Christ, Muslim, oder Atheist .
Ich bin dankbar, meine Fähigkeiten für die Gemeinschaft auf diese Weise einbringen zu können. Und ich bekomme sehr viel Dank zurück, das ist Lebensqualität. Sie können es auch einfach bürgerschaftliches Engagement nennen.

Quelle: Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung, 27.04.2019