Tiefer Einblick ins Gesundheitswesen

Mitglieder aus den Mitgliedsverbänden haben bei der Sozialwahl 2017 kandidiert.

Jetzt nach der Wahl arbeiten sie  in den Selbstverwaltungsgremien der Rentenversicherung oder der AOK mit. Dort vertreten sie die Interessen der Arbeitnehmer und bringen eine christliche Perspektive in die Sozialversicherungen ein.

Interview Andreas Schäfer

Andreas Schäfer arbeitet als Mesner am Münster ?Unserer Lieben Frau? zu Zwiefalten und als Fachkraft für Arbeitssicherheit im Außendienst für die Diözese. Er ist Vorsitzender der Mitarbeitervertretung der Seelsorgeeinheit Zwiefalter Alb, Diözesanleiter des Mesnerverbandes und Kolpingmitglied bei der KF Zwiefalten. Bei der Sozialwahl 2017 hat er auf der Liste der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen (ACA) kandidiert.

1.    In welchem Selbstverwaltungsgremium arbeitest du mit?

Ich bin AOK Bezirksrat in der Bezirksdirektion Neckar-Alb der AOK Baden-Württemberg. Das ist ein Gremium mit je 15 Arbeitgeber- und 15 Arbeitnehmervertretern. Darunter sind viele Betriebs- und Personalräte.

 

2.    Was machst du dort genau?

Der AOK-Bezirksrat gestaltet wichtige geschäftspolitische Entscheidungen der AOK vor Ort mit. Ich bin direkter Ansprechpartner für die Versicherten und Arbeitgeber vor Ort. Die Anliegen werden bei der Geschäftsführung der Bezirksdirektion oder auch auf die höchste Ebene der Selbstverwaltung, in den Verwaltungsrat der AOK Baden-Württemberg eingebracht. Themen sind beispielsweise, dass die Beitragsgelder sinnvoll eingesetzt werden (z.B. für Rückenstudio, Präventivangebote, Rabattverträge, Hausarztprogramm, Baumaßnahmen). Oder dass die Finanzmittel sparsam verwaltet werden. Der AOK-Bezirksrat hat ein Vorschlagsrecht bei der Wahl der Geschäftsführung und gestaltet aktiv Standortpolitik für Kundencenter mit.

Aus dem Bezirksrat werden Widerspruchsauschüsse gewählt. Diese entscheiden über Widersprüche von AOK-Mitgliedern. Ich war bisher in einem der Widerspruchsauschüsse stellvertretendes Mitglied.

 

3.    Wie viel Zeit wendest du dafür auf?

Der Bezirksrat trifft sich jährlich dreimal in Tübingen, der Widerspruchsauschuss dreimal jährlich in Reutlingen. Dazu kommen etwa ein bis zwei Fortbildungen in Stuttgart oder in der Region Neckar-Alb.

 

4.    Was war deine Motivation dich wählen zu lassen?

Ich fing im Bezirksrat vor über 18 Jahren bei der damaligen Bezirksdirektion Bad Urach-Münsingen an. Damals war die Entscheidungsmöglichkeit des Gremiums noch bedeutender und man konnte die Regionale AOK im Sinne der Versicherten noch stärker mitgestalten. Die globale Welt, verlangt jedoch auch im Bereich der Gesundheitskassen eine Fortentwicklung. Dies war auch für mich ein Lernprozess, ich war alles andere als begeistert, als die Neuordnung der Bezirksdirektionen erfolgte. Jedoch war es richtig, Entscheidungskompetenzen an den Verwaltungsrat abzugeben und die regionale Ausgestaltung vor Ort im Bereich der Bezirksdirektion im Rahmen der Möglichkeiten mitzuentscheiden.  

 

5.    Was hast du persönlich davon?

Einen tiefen Einblick in das Gesundheitswesen. Leider ist festzustellen, dass dieser Bereich ein Spielball der Politik ist. Jede Bundestagswahl bringt Veränderungen. Für die Gesundheitskassen bedeutet das, sich immer wieder auf neue Rahmenbedingungen einzustellen, um sich im Markt wirtschaftlich erfolgreich und kundenorientiert zu behaupten. Leider fehlt der Politik die Kraft, endlich den Schritt von der Zwei-Klassen-Gesundheitspolitik zur Bürgerversicherung zu gehen.

Wir hören auch Fachvorträge von Ärzten oder Therapeuten zu Gesundheitsthemen und Behandlungsformen und besuchen Einrichtungen vor Ort.

 

6.    Konntest du mit deinem Engagement schon konkret einem Mitmenschen helfen?

Ja, es wurden Einzelfälle im Widerspruchsausschuss beraten. Dies kann im  Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ganz konkret den Betroffenen helfen.